Meine Erfahrung mit Syrien

Nachdem ich von meinem Urlaub aus Syrien zurück bin, wurde ich oft standardmäßig gefragt, wie mein Urlaub denn war. Sicherlich spielte dabei auch die Neugier mit, denn Syrien ist ein Land, das wahrlich nicht jedem bekannt ist. „Toll war es“, antworte ich immer ganz spontan. „Ich habe am Strand gelegen, und mir die Sonne auf den Bauch knallen lassen!“. Ausserdem war es schön, die eigene Familie mal wieder zu sehen! Ok, ich gebe zu, dieser Teil entspricht nur der halben Wahrheit. In Wirklichkeit war die Familie ziemlich nervig und bis auf vielleicht 4-5 Leuten aus dem ganzen Clan, hätte ich wirklich darauf verzichten können.

Und dann geht meine Überlegung schon los. Wie hört sich das an, was Du da erzählst? Wie kommt es bei den Leuten rüber? Was ist, wenn wirklich mal einer genauer nachfragt und wissen will, wie Syrien als Urlaubsland ist?

Soll ich dann erzählen, dass ich die Wahlen des Präsidenten mitbekommen habe und auch mitbekommen habe, wie sie manipuliert werden? Wie das Volk zum Narren gehalten wird. Wie sich Festzüge auf den Strassen formatieren und kümmerliche Feuerwerke eine Freude über das Wahlergebnis demonstrieren, die gar nicht wahr ist? Soll ich erzählen, wie sehr es mich erschüttert hat, dass meine christliche Familie Einkäufe beim Moslem um die Ecke meidet? Oder wie ich am Strand zwischen Plastikmüll lag und mich fragte, warum selbst die Einheimischen nicht auf die Idee kommen, dass der Strand ohne Müll viel schöner aussähe?

Oder soll ich erzählen, wie ich einmal verzweifelt auf der Suche nach einer Toilette war, es aber nur total verdreckte Dinger gab und dann auch noch im „französischen Stil“, also nur ein Loch in der Erde? Es war so schrecklich, dass ich lieber noch eine Autofahrt von 2 Stunden ausgehalten habe, als mich auf so eine Toilette zu setzen!

Aber dann denke ich wieder an die schönen Seiten: Ich hatte ein Taschengeld von nur 200 EUR für diesen Urlaub und musste mir sogar noch einen zweiten Koffer dort kaufen, um all meine Souvenirs auch nach Deutschland zu bekommen. Ich musste mich in Englisch und ein paar Brocken Arabisch verständigen, und wurde nicht auf Deutsch überall angesprochen.

Kulturelle Attraktionen sind frei zugänglich, ohne Eintritt! Das konnte ich als häufiger Türkeiurlauber gar nicht glauben!

Als Tourist wird man dort noch nicht als Goldesel angesehen, den es gilt, in seinen Laden zu zerren und zu melken. Man kommt noch mit wirklich Einheimischen in Kontakt, die schon ihr ganzes Leben an diesem Ort verbringen und nicht wegen des Tourismus dorthin gezogen sind.

Es gibt noch Orte, die wirklich unberührt sind und nicht zu einer Touristenattraktion verkommen sind. Man spürt die Macht der Staatsgewalt, nicht, dass man Angst haben müsste, aber die Zollbeamten am Flughafen sind alles andere als freundlich und hilfsbereit. Als frei aufgewachsene Europäerin ist es eine neue Erfahrung, eine Staatsmacht zu spüren. Da merkt man dann erst, was für eine gute Erfindung Europa ist und was für ein Glück man hat, in diesem Teil der Welt zu leben und gewisse Erfahrungen nie machen zu müssen.

Diese guten Seiten des Urlaubs möchte ich nicht missen. Und sie wiegen auch die negativen Seiten sicherlich auf. Für mich jedenfalls. Man muss sich halt vorher bewusst sein, was für eine Art von Urlaub es wird. Jemand, der allen Komfort für sich beansprucht, keine weiten Wege zum nächsten Kiosk laufen möchte und kein englisch spricht, ist sicherlich in einer Touristenhochburg besser aufgehoben.

3 Antworten auf „Meine Erfahrung mit Syrien“

  1. Naja, eine Touristenhochburg muss es ja nicht gleich sein , aber Syrien… das ist schon exotisch. Und wie man sieht, ist von Komfort da ja nix zu spüren, also mich würde das jetzt nicht so anziehen… und was Du gar nicht erwähnt hast, wie sieht es aus mit der generellen Hygiene? Streunende Katzen und Hunde, wie es in südlichen Ländern üblich ist?

  2. Öffentliche Toiletten sind problematisch, aber mit Indien oder Afrika kann man es noch lange nicht vergleichen.
    Syrer gehen oft in Moschee auf die Toilette, die sind sehr sauber. „Der französische Stil“ ist für mich hygienischer, da vor den meisten Toiletten Plastiklatschen stehen und sich niergendwo hinsetzen muss … So kann man selbst auf unhygienischen Toiletten ohne Schaden davonkommen …

    Allgemein sind die hygienischen Standarts akzeptabel, in Damaskus kann man aus dem Wasserhahn Trinkwasser trinken, damit hatte ich absolut nicht gerechnet!
    Auch das billige Essen der Strassenimbisse kann man relativ bedenkenlos essen.

    Müll … ja das nervt, die Regierung kümmert sich zuwenig um wilde Müllkippen, besonders am Strand und Gewässern ist das sehr unangenehm.
    Besonders „informelle“ (wo es keinen touristischen Service gibt) Ausflugsorte sehen manchmal furchtbar aus – immerhin sieht das eine wachsende Zahl von Syrern auch so langsam.

    Hunde, Katzen:
    Katzen gibt es massenweise, Hunde kommen in der Nacht in die Vororte der Großstädte, ich habe gelesen, dass es in einigen Vorstädten und Kleinstädten zuletzt immer wieder Beißattcken gab, weshalb die Regierung versucht, das Problem in den Griff zu bekommen – u.a. mit Vergiften *schrecklich*
    Aber das ist nicht leicht, man müsste wahrscheinlich konsequent sterilisieren, und ich weiß nicht, ob ich das der Regierung zutrauen kann.

    Staatsgewalt: Na ja als Tourist bekommt man davon weniger mit als man von einem „Schurkenstaat“ erwartet, zumal Polizisten gegenüber Touristen meistens um Längen freundlicher sind als gegenüber den Landsleuten.
    Man wird in Syrien als Gast behandelt, selbst auf der Polizeistation …
    Wenn man etwas mehr Einblick hat, kann man bemerken, dass die Geheimdienste das Geschehen in jeder Gasse kennen. Indes sind willkürliche Verhaftungen seltener geworden.

    Die Sicherheit ist sehr gut, als Tourist laden dich sogar Schlägerbanden in Problemvierteln auf eine Tasse Tee ein …
    ich war wirklich so gut wie überall in Damaskus, aber nirgends habe ich mich bedroht gefühlt, selbst Typen die bestimmt nicht „ohne“ sind, sind neugierig und helfen dir, wenn du dich z.b. in ärmere Gassen verirrst.

    Als Frau sollte man natürlich etwas vorsichtiger sein. Ansonsten gilt Syrien auch für alleinreisende Frauen als sicheres Reiseland.

  3. Ja, die Sicherheit ist wirklich absolut ok in Syrien. Es ist noch kein so verbrauchtes Touristenland wie z.B. Tunesien -sorry! 🙂 –
    Aber Frauen werden nicht als Freiwild angesehen und angebaggert bis zum geht nicht mehr. Die haben noch einen absoluten Respekt und Anmachen sind sehr selten und äußerst diskret wird man vielleicht mal angebaggert. Das ist echt Erholung pur, wenn man mal in der Türkei oder in Ägypten war (um auch andere Länder zu nennen). Auch was Gewalt angeht, habe ich dort nie irgendwas erlebt, selbst Bekannte, die oft in Italien waren, haben sich anfangs im Basar immer an ihr Portemonnaie geklammert, aber haben selber dann zugegeben, dass es dort wirklich entspannt zugeht und man nie in Bedrängnis kommt!

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